Rostock bestraft, Ermittlungen nun gegen Aachen und Mönchengladbach18 September 2006

DFB mit Präsident Zwanziger gestärkt gegen Rassismus

Direkt nach seiner Wahl zum neuen DFB-Prasidenten am 8.9.2006 erklarte Dr. Theo Zwanziger, dass eines seiner Hauptaugenmerke der sozialen Integration und dem Mädchenfußball gehören wird. Einen Bereich, den er schon seit Jahren voran zu bringen versucht.

Mit Zwanziger kündigt sich ebenso ein tiefgreifenderer Kurs gegen Rassismus und Diskriminierung im deutschen Fußball an.

DFB reagiert prompt auf Rassismus bei Rostock – Schalke

Denn parallel wurde auf dem DFB-Bundestag ein neuer Antirassismus-Paragraph ratifiziert, so wie ihn die neuen Regelungen des Weltfußballverbandes FIFA vorsehen. Demnach werden rassistische, diskriminierende oder menschenverachtende Vergehen von Spielern, Vereinsvertretern oder Anhängern mit Geldstrafen, Punktabzug oder Ausschluss aus dem Wettbewerb bestraft.

Folglich verurteilte das DFB-Sportgericht unter Vorsitz von Dr. Rainer Koch binnen nur einer Woche Hansa Rostock zu einer Strafe von 20.000 Euro und Hansa II zu einem Spiel vor leeren Rängen. Bei einem Wiederholungsfall geht die Geldstrafe bis zu 150 000 Euro. Zudem sind Punktabzüge und im schlimmsten Fall ein Zwangsabstieg unserer zweiten Mannschaft möglich, erklärte Hansa-Vorstandschef Dirk Grabow.

Was war passiert: In der ersten Runde des DFB-Pokals war der Schalker Profi und deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah während des gesamten Spiels am 9.9.2006 mit sog. „Dschungel-Lauten“ aus dem Hansa-Block verschmäht und beleidigt worden. Hansa-Manager Stefan Studer zeigte sich im Namen des Vereins empört über die Rufenden und hatte sich umgehend bei Asamoah persönlich für die Vorfälle entschuldigt: Wir sind enttäuscht, betroffen. Wir sind erschrocken vor Menschen, deren Gesinnung wir nicht nachvollziehen können und wollen.

Auch beim DFB-Pokalspiel SV Babelsberg – Hansa Rostock waren den FARE-Partnern Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) und Flutlicht am gleichen Wochenende rassistische Vorfälle seitens einiger Hansa-Fans bekannt geworden.

Die Fans des FC Hansa Rostock reagierten mit antirassistischen Choreographien zum Zweitligaspiel Hansa – Kaiserslautern, auch der Verein reagierte. Klubverantwortliche trugen vor dem Spiel gegen Kaiserslautern T-Shirts mit der Aufschrift „Sport ohne Diskriminierung“ und der aktuelle DFB-Videoclip gegen Rassismus wurde im Stadion gezeigt. Der Fanbeauftragte von Hansa Rostock bot Gerald Asamoah im Namen der Fans ein entschuldigendes Gespräch im Vorfeld des kommenden Länderspiels am 7.10.2006 in Rostock an.

Das Länderspiel Deutschland – Georgien müsse jedoch nicht abgesagt werden: Ganz ehrlich, sagte Zwanziger der „Leipziger Volkszeitung“, zwei Sekunden lang habe ich darüber nachgedacht. Aber dann muss man auch bedenken: Wen triffst du mit dieser Entscheidung? Wir hätten viele getroffen, die mit Rechtsradikalismus nun gar nichts am Hut haben.

Zugleich forderte Zwanziger die Klubs zum Handeln auf: Die Vereine müssen auf solche Elemente aufpassen. Wir erwarten wesentlich stärkere Maßnahmen.

DFB-Kontrollausschuss ermittelt auch gegen Aachen und Mönchengladbach

Während des Bundesliga-Spiels Alemannia Aachen – Borussia Mönchengladbach am 16.9.2006 beschimpften Fans der Alemannia den Gladbacher Kahe aus Brasilien in rassistischer Weise. Hier ist von den Rufen „Asylanten, Asylanten“ die Rede, die bei Heimspielen in Aachen ab und an lautstark vorkommen.

Schiedsrichter Michael Weiner hatte den Gastgeber gebeten, die Rufe zu unterbinden. Der Aachener Stadionsprecher ließ daraufhin verlauten, dass der Weiner das Spiel unterbrechen werde, falls die Rufe gegen Kahe weiter gehen. Es wäre der erste Abbruch eines Spiels wegen der Diskriminierung eines Spielers in Deutschland gewesen. Weiner reagierte damit auf die verstärkte Aufforderung des DFB, auf rassistische Diskriminierung von Spielern zu achten.

Auf der anderen Seite beschimpften Fans von Borussia Mönchengladbach Aachens Spieler Moses Sichone aus Sambia.

Der DFB-Kontrollausschuss meldete am Montag, 18.9.2006 seine Untersuchungen an. Schiedsrichter Weiner hat einen Sonderbericht zu den Vorfällen verfasst und beide Klubs wurden zu Stellungnahmen aufgefordert. Nach Eingang und Auswertung der Stellungnahmen entscheidet der DFB-Kontrollausschuss über den weiteren Fortgang des Verfahrens, heißt es auf der Homepage des DFB.

Stimmen von FARE-Partnern

Gerd Dembowski (Flutlicht) dazu: Ich freue mich sehr über die schnelle und konkrete Umsetzung der FIFA-Regelungen gegen Rassismus. Flutlicht und BAFF bieten dem DFB jede fachliche Unterstützung dabei an, um ein gutes Maß zwischen Strafe und sozialen Antworten zu finden. Dem DFB kann man zur Wahl von Dr. Theo Zwanziger nur beglückwünschen.

Martin Endemann (BAFF): Endlich beginnt der DFB seinen zu begrüßenden Vorarbeiten in den letzten Jahren auch entsprechende Taten folgen zu lassen.