Fußball Kultur in Osteuropa als ein Nährboden für Nationalismus15 Dezember 2010

Mehr als 60 Nationalisten und Hooligans wurden am Samstag bei Zusammenstößen mit Truppen des Innenministeriums in der Nähe des Kreml-Mauern verhaftet, nachdem sich Tausende auf Manezh Square versammelt hatten und eine Untersuchung der angeblichen Ermordung eines Spartak FC-Fans durch einen Migranten aus Kabardino-Balkarien forderten.

Russland steht vor einem großen Kampf beim Versuch Rassismus und Nationalismus im Fußball vor der WM 2018 auszumerzen, aber zumindest gibt es jetzt einen Zeitrahmen von acht Jahren um Druck auf die Regierung auszuüben, das Problem anzugehen, so wie es es anderswo in Osteuropa bereits geschehen ist.

Die Demonstration am Samstag wurde von Polizeieinheiten gewaltsam aufgelöst, als kleinere Gruppen von den geschätzten 5.500 Demonstranten begannen, nicht-slawische Passanten anzugreifen. Neunundzwanzig Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert, darunter mindestens drei Nordkaukasier die Stichwunden erlitten bei den Zusammenstößen, die sich dann weiter in die U-Bahnstation Okhotny Ryad ausbreiteten. Augenzeugen berichten, die Polizei konnte die Situation nicht unter Kontrolle bringen, wobei im Voraus klar war, dass sie sich schnell ausbreiten würde.

Am Donnerstag, den nur eine Woche nachdem Russland die WM 2018 zugesprochen bekam, blockierten 1.000 Spartak Fans Moskaus Huaptverkehrsstraßen. Sie kletterten auf Autos und zündete Fackeln, um eine Untersuchung des Mordes an dem 28-jährige Jegor Swiridow einzufordern. Der Spartak Fan soll ebenfalls einer einer rechtsextremen Gruppe angehört haben.

Swiridow wurde am 6. Dezember von vier Gummigeschossen tötlich verletzt, als es in einer Straße im Norden Moskaus zu einer Schlägerei zwischen Russen und interne Migranten aus dem Nordkaukasus kam.Aslan Tscherkessow aus Kabardino-Balkarien wurde für den Morde in Gewahrsam genommen, obwohl er behauptet in Notwehr gehandelt zu haben.

Nach den Auschreitungen am Donnerstag wurden keine Festnahmen gemacht, was den Weg für weiter Krawalle ebnete. „Die staatliche Reaktion war einfach nicht ausreichend“, sagte Galina Kozhevnikova, stellvertretende Leiterin des Moskauer Sova Centers zur Überwachung von Rassismus. „Und solange es keine klaren Signale der russischen der Vollzugsbehörden und der Redierung gibt, dass die Unruhen auf Manezh-Platz intensiv untersucht und die Täter bestraft werden, wird sich die Situation weiter verschlimmern. Es sendet einfach eine Nachrich der Unverantwortlichkeit aus.“

Präsident Dmitri Medwedew lobte das brutale Vorgehen der Polizei am Samstag bei einem Treffen mit Innenminister Raschid Nurgalijew, später forderte er harte Strafen zu verhängen und aus drängte auf eine Beruhigung.

„Alles ist unter Kontrolle sowohl in Russland und in Moskau. Alle Unruhestifter werden bestraft werden, da hab ich keinen Zweifel,“ verbreitete Präsident Dmitri Medwedew über Twitter am späten Sonntag, obwohl alle 66 Demonstranten bereits Sonntagmorgen entlassen worden waren. Zehn Strafverfahren gegen Demonstranten wurden am Montag eröffnet, teilte Moskaus stellvertretender Staatsanwalt Alexei Zakharov Interfax mit.

Auf Bannern am Samstag war zu lesen: „Juri Wolkow – getötet; Jegor Swiridow – getötet; du als nächstes?“ und „Moskau den Moskauern“. Der ungenehmigte Protest begann mit Hitlergrüßen und rassistischen Sprechchören, bis Gewalt ausbrach und die Nationalisten sieben Personen aus dem Nordkaukasus angegriffen.

Nachdem sich die Nationalisten in der Mitte des Platzes verbarrikadiert hatten, versuchte der Leiter der Moskauer Polizei Wladimir Kolokoltsev mit dem Anführer der Gruppe, der sich weigerte seine Maske abzunehmen, zu verhandeln. Dieser teilte der Polizei mit, dass erst das „Kaukasus Problem gelöst werden müsse“ bevor die Auschreitungen ein Ende hätten.

„Es ist schwer zu beurteilen, wer da wirklich war, aber es sieht so aus als ob ultra-rechte Gruppen ein Schlüsselrolle gespielt hätten“, sagte Kozhevnikova. „Sowohl einige ultra-nationale Organisationen, die nichts mit Fußball zu tun haben als auch rechtsextreme Fußballfans waren da, die sich bei dieser speyellen Gelegenheit lieber in die Reihen der politischen Organisationen einreihen anstatt auf die Anführer ihrer Fan-Gruppen zu hören. Bei dem „Russischen Marsch“ vor einem Monat kamen rund 5000 Menschen zusammen so verwundert es nicht, dass diesmal auch wieder so viele waren.“

Die starken Verbindungen zwischen Fußball und Nationalismus sind eine Herausforderung der gesamten Region. „In Osteuropa inklusive Polen, der Ukraine, gibt es ein Problem in der Fußball Kultur da sie zu einer Brutstätte für Extremisten und Rassisten geworden ist“, sagte Rafal Pankowski, der Koordinator für das Eastern Europe mentoring Center und Mitglied der Never Again Association, dem polnischen Zentrum gegen Fremdenfeinflichkeit. „Dabei möchte ich kein Land gesondert hervorheben. Ich sehe das Problem in der gesamten Region.“

„Die Anerkennung durch die Behörden der Schwere des Problems und die Notwendigkeit, Maßnahmen zu ergreifen, ist ein sehr wichtiger Teil des Problems. In diesem Zusammenhang stellt die WM im Jahr 2018 tatsächlich eine gute Gelegenheit „, sagte Pankowski. Er sagte weiter, die EM 2012 in Polen und der Ukraine hätte einen sehr positiven Einfluss auf die Situation dort, und sagte, er hoffe, dass die FIFA die Arbeit, welche die UEFA in den Gastgeberländern für 2012 geleistet hat, wiederholen könnte.

Auszüge von: Russia Profile