Englische Nationalspieler sehen sich 90 Minuten Schmähungen ausgesetzt18 November 2004

Die Fußballgemeinschaft zeigt sich entsetzt über die rassistischen Beschimpfungen, die Englands schwarze Nationalspieler am 18. November 2004 bei einer 0:1-Niederlage in einem Freundschaftsspiel gegen Spanien über sich ergehen lassen mussten. Bei jeder Ballberührung wurden die Spieler Jermaine Jenas, Ashley Cole und Shaun Wright-Phillips von den heimischen Zuschauern im Santiago-Bernabéu-Stadion mit Affenlauten bedacht.

Nach dem Schlusspfiff beschwerte sich der Mittelfeldspieler Jermaine Jenas massiv über die Schmähungen:
„Das waren die schlimmsten Beleidigungen, die ich je gehört habe. Bei meinen Spielen für Newcastle United im Europapokal habe ich so was schon mal erlebt, aber noch nie so schlimm wie jetzt gegen Spanien. Es war nicht schön, sich solche Laute anhören zu müssen. Es zeugt von Ignoranz und ist falsch. Es ist eine Schande. Ashley [Cole] regt sich sehr drüber auf, er ist überhaupt nicht glücklich über die Beleidigungen, die ihm zugerufen wurden. Es muss etwas geschehen, sonst wird's immer wieder vorkommen. Irgendwann muss Schluss damit sein.“

„Ich hoffe bloß, dass die UEFA es nicht einfach durchgehen lässt, ohne was dagegen zu unternehmen. So was darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich hoffe, es wird nicht unter den Tisch gekehrt. Das Einzige, was wahrscheinlich passiert, ist, dass die Leute Stadionverbot kriegen oder nicht reingelassen werden.“

Am Vorabend sahen sich die schwarzen englischen U21-Nationalspieler Carlton Cole, Darren Bent und Glen Johnson bei einer 0:1-Niederlage gegen Spanien ähnlichen rassistischen Uh-Uh-Rufe ausgesetzt.

Aragones
Erst im letzten Monat soll der spanische Nationaltrainer Luis Aragones rassistische Äußerungen von sich gegeben haben. Während einer Trainingseinheit soll er den französischen Nationalspieler Thierry Henry als „Scheißneger“ bezeichnet haben. Obwohl der spanische Fußballverband sich bereits beim FC Arsenal entschuldigt hat, hat sich Aragones weder persönlich bei Henry entschuldigt noch wurde er wegen seiner Äußerungen bestraft. Zu den Vorfällen beim Länderspiel hat er jede Stellungnahme verweigert.

Wie Jermaine Jenas feststellte:
„Es ist eine ziemliche Schande, dass Leute, die solche Sachen machen, ungestraft davon kommen. Es ist eine Schande, dass ein Mensch, der ein solch hohes Amt bekleidet, solche Bemerkungen machen kann, ohne dass es zu einer Gegenreaktion kommt.“