Ernennung von FARE-Beobachtern bei der EM 201212 März 2012

1. FARE-Monitoring- und Meldestrategie anlässlich der Euro 2012
Die Beobachtung und Meldung rassistischer und diskriminierender Gesänge und Symbole ist bereits bei zahlreichen Turnieren angefangen von der Europameisterschaft 2004 in Portugal, der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 und der EM 2008 in Österreich und der Schweiz zum Schlüsselelement des FARE-Programms geworden. 2012 ist diese Arbeit ein Bestandteil des UEFA-Maßnahmenprogramms „Respect Diversity“.

Das Monitoring diskriminierender Handlungen wird während der EM 2012 ein wichtiges Element für das FARE-Netzwerk sein. Das Monitoringprogramm steht unter der Leitung der FARE’s osteuropäischer Partnerorganisation Never Again. In Polen und Ukraine ist die Notwendigkeit eines Monitorings auf Grund des häufigen Auftretens rechtsextremer Transparente und des Potenzials für rassistische, homophobe und sonstige Formen diskriminierender Äußerungen und Taten zweifelsohne unerlässlich.

Für das diesjährige Turnier wird das FARE-Netzwerk eine begrenzte Anzahl von Tickets und Akkreditierungen für jedes Spiel ausschließlich zu Beobachtungszwecken erhalten. Es wird ein Protokoll zur Meldung von Vorfällen bei der UEFA entwickelt und eingeführt werden, in der Erwartung, dass dies bei ausreichenden Beweisen in jedem Fall zu Sanktionen führt.

Sanktionen und Disziplinarmaßnahmen sind nicht die einzigen Methoden, um offensichtlichen Formen der Diskriminierung zu begegnen. Daher wird die Arbeit der Beobachter durch ein breit angelegtes Programm zur Erziehung und Einbindung der Fans begleitet.

Die Beobachter haben folgende Funktionen:
• Sie werden das Spiel beobachten und sich dabei auf ihre eigene Erfahrung im Bereich der Fankultur und des Fanverhaltens stützen, um rassistische Gesänge, rechtsextreme Transparente/Symbole sowie andere Formen offener Diskriminierung festzustellen.

• Von den Beobachtern wird erwartet, dass sie ihre eigenen Kontakte und Erfahrungen nutzen und Fan-Netzwerke beobachten, um prognostizieren zu können, ob bei einem bestimmten Spiel die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich ein Vorfall ereignet oder ob gar Aktionen für eine bestimmte Begegnung geplant sind.

2. Hotline und Online-Formular zur Meldung von Vorfällen
Zusätzlich zu den von den Beobachtern am Spieltag gemeldeten Vorfällen haben Fans außerdem die Möglichkeit, diskriminierende Schmähungen und Verhaltensweisen über eine speziell eingerichtete Hotline und ein Online-Berichtsformular zu melden. Informationen über diese Meldestellen werden im FARE Fanzine, auf der FARE-Website und über andere Kommunikationskanäle veröffentlicht.

Zusätzlich werden Fans und Mitglieder lokaler ethnischer Minderheiten außerhalb der Stadien im Rahmen von FARE Veranstaltungen (inkl. einer Streetkick-Tour), über die Hotline und Website zum Melden diskriminierender Vorfälle informiert werden.

Das FARE-Netzwerk kooperiert darüber hinaus mit den anderen „Respect“-Partnern der UEFA, um das Meldeverfahren auch über deren Kommunikationskanäle und im Rahmen anderer Events und Aktivitäten bekannt zu machen.

3. Monitoring
Die Beobachter müssen nach jedem Spiel einen kurzen Bericht erstellen. Dieser Bericht umfasst detaillierte Informationen über jegliche rassistische, diskriminierende, neonazistische und rechtsextreme Äußerungen, Transparente und Verhaltensweisen.

Der Bericht wird daraufhin vom FARE EM 2012 Koordinationsteam an die UEFA und das lokale Organisationskomitee weitergeleitet.

Die FARE-Beobachter erfassen auch Beweise und beobachten diskriminierende Aktionen außerhalb der Stadien, die in direktem Zusammenhang mit der Europameisterschaft stehen.

4. Protokoll zur Ergreifung von Maßnahmen und Informationen für Disziplinarverfahren
Es wird mit allen Beobachtern und Partnern ein Protokoll abgestimmt, das genau festlegt, wie die Vorfälle während des Spiels, aber auch nach dem Spiel gehandhabt werden.

Vor dem Spiel
• JedeR SpielbeobachterIn erhält Schulungsmaterial, in dem potenzielle diskriminierende Schmähungen und Symbole und die Ansprechpartner aufgeführt sind, an die sich der Beobachter wenden muss, wenn sich während des Spiels Vorfälle ereignen.
• Die Beobachter sind aufgefordert, Kontakt zum Fanbotschafterteam am Austragungsort aufzunehmen und eine mögliche Zusammenarbeit bei Vorfällen abzustimmen.

Während des Spiels
• Die Beobachter sollen Kontakt zu Mitarbeitern der Fanbotschaften und nach Möglichkeit zu Stadionmitarbeitern aufnehmen, wenn schmähende Gesänge/Transparente gehört bzw. gesehen werden.
• Die Spielbeobachter protokollieren alle Vorfälle, die sich während des Spiels ereignet haben, und leiten ihren Bericht an das FARE EM 2012 FARE Koordinationszentrum weiter. Die Meldung sollte innerhalb von 12 Stunden nach Spielende erfolgen.

Nach dem Spiel
• FARE reicht nach jedem beobachteten Spiel einen ausführlichen Bericht ein.
• Die Ergreifung von Maßnahmen auf der Grundlage der verfügbaren Beweise liegt in der Verantwortung des UEFA-Disziplinarausschusses. Die im Zusammenhang mit einem bestimmten Bericht stehenden Entscheidungen sollen dem FARE-Netzwerk mitgeteilt werden.

5. Werde ein Spielbeobachter
FARE setzt jeweils zwei BeobachterInnen je Spiel während der EM 2012 ein. Nach Möglichkeit soll einE BeobachterIn aus jedem der beiden am entsprechenden Spiel beteiligten Länder einzusetzt werden. JedeR BeobachterIn erhält ein Ticket sowie eine spezielle Akkreditierung als Beobachter.

Ziel ist es, die Mehrheit der BeobachterInnen aus den Reihen des FARE-Netzwerks und der Partnerorganisationen zu rekrutieren. Die Beobachter müssen hoch motiviert sein und Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit Anti-Rassismus/Anti-Diskriminierungsthemen haben und zudem wissen, wie schmähende Äußerungen/Zeichen insbesondere im eigenen Land manifestiert werden (durch Symbole, Gesänge etc.).

Das FARE-Netzwerk kommt für die Reisekosten nach Polen bzw. in die Ukraine sowie innerhalb des Landes (die Höhe wird vor der Buchung vereinbart) sowie für die Unterbringungskosten auf. Die Unterbringung erfolgt normalerweise in einem Hotel/in einer Pension am Austragungsort. In einigen Fällen – insbesondere in Städten mit geringen Hotelkapazitäten – erfolgt die Unterbringung in privaten, von lokalen FARE-Partnern bereitgestellten Unterkünften.

Die Beobachter müssen Ihre eigenen Kameras (und Laptops) verwenden. In den Stadien sind keine professionellen Kameraausrüstungen zugelassen.

Alle Beobachter müssen Englisch in Wort und Schrift beherrschen. Die Kenntnis der Sprache des jeweils von ihnen beobachteten Landes wird vorausgesetzt.

6. Antragsformular
Wenn Sie sich als FARE-Beobachter für die Euro 2012 bewerben möchten, füllen Sie das Antragsformular bis zum 2. April 2012 aus. Sie werden innerhalb von 2 Wochen nach diesem Datum über die Entscheidung informiert.