Messina-Spieler Zoro verlässt Spielfeld aus Protest über Beleidigungen28 November 2005

Der Messina-Verteidiger Marc Zoro von der Elfenbeinküste wurde im Serie-A-Heimspiel gegen Inter Mailand von einigen Inter-Fans derart rassistisch beleidigt, dass er damit drohte, nicht mehr weiterzuspielen.

Die Lage spitze sich in der 66. Minute zu, als Zoro, der bis zu diesem Zeitpunkt Opfer von ständigen rassistischen Verbal-Attacken war, sich den Ball in der Nähe des Inter-Fanblocks holen wollte. Dabei wurde er mit Affenlauten „begrüßt“. Für den 21-Jährigen war das einfach zu viel. Er nahm den Ball in die Hand, verließ den Platz und bat den vierten Offiziellen, das Spiel zu unterbrechen.

Bestürzt
Daraufhin versuchten die schwarzen Inter-Stürmer Adriano und Obafemi Martins den weinenden Zoro zum Weiterspielen zu überreden. Beide sind ebenfalls Opfer von ähnlichen Beschimpfungen gewesen, vertreten jedoch die Meinung, dass das Verlassen des Spielfeldes einem Sieg der Rassisten gleichkäme. Die Inter-Spieler forderten ihre Anhänger dazu auf, mit den beschämenden Aktionen aufzuhören. Kurze Zeit später betrat Zoro mit der Unterstützung seiner Mannschaftskollegen und den Messina-Fans das Spielfeld wieder.

Reflexion
Nach dem Spiel reagierte Inter mit der Schaltung einer Botschaft gegen Rassismus auf der Vereinswebsite. Inter-Funktionäre äußerten Besorgnis über den Vorfall, und Clubpräsident Giacinto Facchetti entschuldigte sich persönlich bei Zoro.

Zoro äußerte sich wie folgt zum Vorfall:
„Dieses beschämende Verhalten kennt man ja. Für mich ist es aber inakzeptabel, im eigenen Stadion beleidigt zu werden. Ich verstehe, warum Martins und Adriano versucht haben, mich vom Verlassen des Spielfeldes abzuhalten. Ich habe zugestimmt, weil es schade gewesen wäre, das Spiel absagen zu lassen und somit den Sieg von Inter kaputt zu machen, da meinen Kollegen keine Schuld trifft.“

Reaktion
Der Vorfall hat in den italienischen Medien bzw. in der italienischen Fußballwelt eine große Diskussion losgetreten. Viele Menschen haben Verständnis für Zoro und seine Situation. Der italienische Fußballverband (FIGC) hat Ermittlungen eingeleitet und wird in den nächsten zwei Wochen mit einer für Italien beispiellosen Aktion reagieren. Alle Spiele der Coppa Italia sowie die Begegnungen aller Ligen werden mit fünf Minuten Verspätung angepfiffen, damit die Spieler ausreichend Zeit haben, Spruchbänder mit der Aufschrift „Stoppt den Rassismus“ auf dem Platz auszurollen.

Aufgrund der Mediendiskussionen ist das Rassismus-Problem im italienischen Fußball wieder in aller Munde. Bei einer Podiumsdiskussion in der britischen Botschaft hatte der FIGC-Vizepräsident Abete neulich bestritten, dass im italienischen Fußball der Rassismus ein Problem darstelle oder überhaupt existiere. Seltsamerweise behauptet er jetzt, dass der italienische Verband alles tut, um den italienischen Fußball vom Rassismus zu befreien.

Daniela Conti, Vertreterin des italienischen FARE-Partners UISP, sagte dazu Folgendes:
„Während der diesjährigen Aktionswoche haben wir den FIGC, die Lega Calcio sowie alle Vereine der Serie A, B und C angeschrieben; lediglich Pisa, Nuorese und Ancona haben geantwortet und bei der Kampagne mitgemacht. In Großbritannien hingegen machen alle Vereine mit und schicken ihre Spieler in die Schulen, um über das Problem zu reden. Selbst in Spanien ist Bewegung reingekommen. Italien ist das einzige Land, in dem der Fußball schweigt.“

Nur mit der Zeit wird sich klären, ob sich diesmal die italienischen Fußballinstitutionen und Vereine in der Tat dem Kampf gegen Rassismus verpflichten werden oder ob die starken Aussagen und Initiativen dieser Woche verpuffen werden und der Widerstand Zoros in Vergessenheit geraten wird.