Die 'Neugründung' von FARE18 November 2009

In den zehn Jahren seit der Gründung von FARE in Wien hat das Netzwerk viel erreicht. Wir haben den Rassismus und andere Formen der Diskriminierung in den Stadien bekämpft und die Haltung ändern können, die zu diesem Problem in den Führungsebenen der Fußballverbände herrscht. An der Basis hat die jährliche Aktionswoche eine Fülle von Aktivitäten unterstützt, und auf der Ebene des Spitzensports sind antirassistische Verlautbarungen bei internationalen Begegnungen mit Millionen von ZuschauerInnen gang und gäbe geworden.

Das Netzwerk hat sich darüber hinaus dramatisch vergrößert; mittlerweile gibt es PartnerInnenorganisationen in nahezu 40 Ländern. Die organisatorische Entwicklung von FARE hat jedoch mit dieser Aktivität und diesem Wachstum nicht Schritt gehalten. Heute zeigt sich ein Bedarf an formelleren und demokratischeren Strukturen, um eine angemessene Transparenz und Verantwortlichkeit für AktivistInnen und UnterstützerInnen zu schaffen.

FARE hat über mehrere Monate hinweg seine Organisationsstruktur überprüft und hierfür eine Vielzahl von AktivistInnen aus ganz Europa einbezogen, und als Ergebnis zeichnet sich eine klare Perspektive ab. FARE sollte von einem losen Netzwerk führender nationaler PartnerInnen und verbündeter Organisationen zu einer eigenständigen Nichtregierungsorganisation transformiert werden.

Das 'neue' FARE wird Vereinbarungen über Mitgliedschaften treffen (für Organisationen und Einzelpersonen), Mitgliederversammlungen zur Sicherstellung der demokratischen Kontrolle einberufen, einen gewählten Vorstand zur Leitung der Organisation zwischen den Versammlungen haben und über ein professionelles Sekretariat verfügen, das die Arbeit unterstützt. Viel Arbeit wurde bereits im Hintergrund getan, insbesondere in Bezug auf die Statutenentwürfe, die diesen Strukturen Form geben sollen.

FARE Konferenz
Der nächste Schritt wird eine Veranstaltung von großer Tragweite in Wien sein, die von der österreichischen FARE-PartnerInnenorgnisation FairPlay organisiert wird. Die Konferenz “Football for Equality: Challenging Racism and Homophobia across Europe“ wird vom 12. -14. Dezember im Franz-Horr-Stadion (dem Heimstadion des FK Austria Wien) in Wien stattfinden. Die Konferenz wird von der Europäischen Kommission gefördert und versammelt Basisinitiativen aus etwa 30 Ländern. Dabei wird vor alllem das gemeinsame Vorgehen in der Bekämpfung von Rassismus und der Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung im Fußball diskutiert werden. Bei einem abendlichen Empfang werden die Erfolge von FARE gewürdigt und es werden die Herausforderungen der nächsten Jahre betrachtet. Eine weitere Funktion der Konferenz ist, FARE eine demokratische Verfassung zu geben, die den Bedürfnissen der Mitglieder gerecht wird. Insbesondere werden sich die TeilnehmerInnen über neue Statuten einigen und eine Empfehlung für einen Interimsvorstand aussprechen.

Darüber hinaus ist die Einrichtung eines kleinen FARE-Sekretariats im Gange. Das Ziel besteht nicht darin, FARE zu einer Bürokratie zu machen. Im Gegenteil, die Maßnahmen dienen dazu, dass FARE effektiver dabei wird, die Aktivisten vor Ort zu unterstützen und das zu kommunizieren, was sie für die „Fußballfamilie“ und darüber hinaus tun.

Es ist eine aufregende Zeit für FARE, auch weil im Vorfeld der Europameisterschaft 2012 ein Osteuropaprojekt entwickelt wird, das Diskriminierung in und um den Fußball in Polen, der Ukraine und deren Nachbarländern bekämpfen wird. Indem FARE von einem Netzwerk, das von einer kleinen Anzahl engagierter AktivistInnenen betrieben wird, zu einer auf Mitgliedschaft basierenden, demokratischen und von professionellen MitarbeiterInnen unterstützten Organisation weiterentwickelt wird, helfen wir mit, die nächsten zehn Jahre sogar noch produktiver als die erste Dekade zu machen.