Empörung nach Advocaats Behauptung, Fans hätten ein Einspruchsrecht gegen die Verpflichtung von schwarzen Spielern14 Mai 2008

Aktivisten fordern eine Klarstellung des UEFA-Endspiel-Teilnehmers FC Zenit St Peterburg hinsichtlich seiner Haltung zum Thema Rassismus.

Folgendes Statement findet sich auf der offiziellen Website des Vereins:
Der FC Zenit nimmt Fans sehr ernst, die sich gegenüber Athleten und Gegnern anderer Nationalität oder Religion respektlos verhalten. Der Verein vertritt die Ansicht, dass solche Anhänger nichts im Stadion verloren haben, und unternimmt alles, um solche Vorfälle zu untersuchen, bis hin zu einem Stadionverbot.

Der FC Zenit unterstützt europäische und nationale Antirassismus-Kampagnen aktiv und plant eine Teilnahme an der europäischen Aktion ‘Zeigt den Rassismus die rote Karte!’.

Diese Verpflichtung wurde jetzt ernsthaft durch Bemerkungen in Zweifel gestellt, die der Trainer vom FC Zenit, Dick AdvocaatBBC getätigt haben soll. Zenit ist der einzige Verein in Russland, der noch nie einen schwarzen Spieler unter Vertrag genommen hat, und seinen Fans wurden rassistische Schmährufe während des UEFA-Pokal-Siegs über Olympique Marseille zu Beginn dieser Saison vorgeworfen.

Ronald Zubar, Abwehrspieler von Marseille, sagte: “Sie bewarfen uns mit Bananen und ahmten Affenlaute nach.“

Trainer Dick Advocaat hat sogar zugegeben, dass die Einstellung der Fans seine Transferpolitik beeinflusst habe.

“Das Problem sind unsere Fans“, sagte er. “Ich würde jeden unter Vertrag nehmen, doch die Fans mögen keine schwarzen Spieler.“

“Ich verstehe nicht, warum sie der Hautfarbe so viel Bedeutung beimessen. Für mich besteht zwischen weiß, schwarz oder rot kein Unterschied.“

“Aber die Fans sind das Wichtigste, was Zenit hat. Deshalb muss ich sie in Zukunft geradeheraus fragen, wie sie darauf reagieren werden, sollten wir einen dunkelhäutigen Spieler unter Vertrag nehmen wollen.“

“Sind die Fans mit mir nicht einer Meinung, werde ich es nicht tun. Ich werde keinen Spieler kaufen, der von den Fans nicht akzeptiert wird.“

Gestern beharrte Advocaat darauf, dass er falsch zitiert worden sei, doch das durch seine Bemerkungen ausgelöste Unbehagen droht das erste europäische Finale von Zenit zu überschatten.

Der Vorsitzende der britischen Kampagne Kick It Out, Lord Herman Ouseley ist der Meinung, dass die russischen Vereine eine Teilschuld am Rassismusproblem trifft. Er sagte: “Das Problem bei vielen Fußballklubs des 'Ostblocks' liegt darin, dass sie sich mitschuldig machen, indem sie sich hinter den Forderungen der Fans verstecken.“

“Für den europäischen Wettbewerb ist es schädigend, wenn ein Verein in solcher Weise eingeschränkt wird. Viele Vereinsvorsitzende im England der 70er und 80er Jahre hätten sagen können, dass ihre Fans keine schwarzen Spieler wollen und sie auspfeifen würden.“

“Doch Vereine müssen Mut zeigen. Man kann die Kultur verändern, sagen, dass man die besten Spieler unter Vertrag nehmen wird, unabhängig von ihrer Herkunft. Wenn Vereine hierzu nicht bereit sind, machen sie sich mitschuldig am Rassismus.“