Rote Karte für EURO 2008-Schiedsrichter Konrad Plautz18 Juli 2008

Österreichs Topschiedsrichter Konrad Plautz erläuterte in einer Sonntagmorgen Sendung des ORF Radio-Tirol am vorvergangenen Wochenende seinen Musikgeschmack damit, dass er auf Volksmusik stehe, „aber nicht auf Techno und Hardrock, so N****-Musik eben“. Über die rassistische Äußerung berichteten alle maßgeblichen österreichischen Tageszeitungen und Internetmedien.

Gerhard Kapl, ÖFB-Vizepräsident und Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission weist in einer ersten Reaktion darauf hin, dass man unterscheiden muss zwischen einem
wirklichen Rassisten und einem Menschen wie Konrad Plautz, der diese Worte meines Erachtens unbedacht von sich gegeben hat und dem die möglichen Folgen nicht bewusst waren.

Ein klares Wort ist fällig

Michael Fanizadeh von FairPlay-vidc auf die Aussage von Plautz angesprochen, antwortete gegenüber www.sportal.at:
Das Wort 'N****' ist verunglimpfend und aufgrund des historisch-kolonialistischen Kontextes abzulehnen. Fanizadeh erinnert an die Vorbildfunktion, die besonders Schiedsrichter zu erfüllen haben, warnt vor Verharmlosung und fordert:

Hier ist vom ÖFB, der Schiedsrichterkommission und vom Tiroler-Fußball-Verband ein klares Wort fällig!

Sensiblisierung nicht gefruchtet

Bereits 1999 führte FairPlay mit den Schiedsrichtern des Tiroler Fußball-Verbands interkulturelle Sensibilisierungskurse durch. Als europäischer Topreferee beteiligte sich Plautz an den von UEFA und FARE (Football Against Racism in Europe) organsierten Anti-Rassismus-Aktionen, so auch an der Kampagne „Unite Against Racism“ bei der UEFA EURO 2008. Doch offensichtlich haben diese Maßnahmen, mit dem Ziel Bewusstsein für Diskriminierungen und Rassismus zu schaffen, bei Konrad Plautz nichts erreicht.

Der in Ghana geborene Tiroler FairPlay-Koordinator und frühere Verbandsschiedsrichter Bella B. Bitugu zeigt sich enttäuscht:
Ich finde es sehr bedauerlich was Konrad Plautz gesagt hat. Er ist als FIFA-Schiedsrichter und Landtagsabgeordneter ein Vorbild. Ich erwarte mir jetzt von ihm, dass er konkrete Schritte zur Vermeidung von Rassismus setzt und mit diesen Maßnahmen auch in die Öffentlichkeit geht.

Der 43-jährige Tiroler Sportsprecher (ÖVP) bestreitet die von ihm gewählte Wortwahl nicht und erklärte, dass er damit lediglich die laute Technomusik („Tschi-Bum“) gemeint habe. Er gestehe jedoch ein, dass seine Aussage „unglücklich“ gewesen sei.