Rassistische Schmährufe beim Länderspiel Spanien – England: Kick It Out fordert Konsequenzen18 November 2004

Die FARE-Partnerorganisation Kick It Out (KIO) hat die UEFA sowie die FIFA aufgefordert, weitreichende Strafmaßnahmen gegen den spanischen Fußballverband einzuleiten, damit den rassistischen Schmährufen, die am 17. November 2004 beim Länderspiel zwischen Spanien und England zu hören waren, im spanischen Fußball effektiv entgegengewirkt werden kann.

KIO fordert die vorübergehende Suspendierung Spaniens aus den europäischen Fußballwettbewerben. Erst wenn der spanische Fußballverband den europäischen Verbänden glaubhaft dargelegt habe, dass das Problem von Rassismus ernsthaft angegangen wird, solle die Suspendierung wieder aufgehoben werden.

KIO-Beobachter und Mitarbeiter von CERCA, einer spanischen Anti-Rassismus-Organisation, waren beim Spiel anwesend und werden nun in Ergänzung etwaiger Berichte des englischen Fußballverbands der UEFA sowie FIFA Augenzeugenberichte zukommen lassen.

Laut KIO war es der schlimmste Ausbruch von Rassismus bei einem Länderspiel der letzten Zeit. Dieser hätte einen Spielabbruch durch den Schiedsrichter oder ein gemeinsames Verlassen des Spielfelds durch die englischen Spieler durchaus gerechtfertigt.

KIO-Direktor Piara Powar sagte:
„Der englische Fußball kann zurecht mit Stolz auf die Arbeit hinweisen, die hier zur Bekämpfung solcher rassistischen Vorurteile, wie wir sie am Mittwochabend erlebt haben, bisher geleistet wurde. Trotz der verbliebenen Probleme, insbesondere was Unterrepräsentation und Ausgrenzung angeht, haben wir erhebliche Fortschritte gemacht, die zu einer besseren Erziehung und einem besseren Verständnis der Auswirkungen von „Uh-Uh-Rufen“ und anderen Beleidigungsformen auf einzelne Spieler und deren Herkunftsgruppen geführt haben.

Wir sind der Meinung, dass die völlig unpassende Reaktion des spanischen Fußballverbands auf die Äußerungen von Nationaltrainer Luis Aragones ein wesentlicher Faktor für die Ereignisse von gestern abend ist. Spanien stellt den drittgrößten kommerziellen Fußballmarkt Europas dar. Aber die spanischen Fußballorganisationen, die Medien und viele spanische Fans haben gestern das Problem anscheinend überhaupt nicht wahrgenommen. Die Äußerungen von Aragones zeigen wie weit sie und andere europäische Fußballländer bei der Zusammenarbeit mit unseren Partnern im FARE-Netzwerk noch gehen müssen, damit sich Vorfälle wie die von gestern nicht wieder ereignen.

Falls der spanische Fußballverband nicht den nötigen Willen zeigt, um einen Wechsel herbeizuführen, dann müssen UEFA sowie FIFA beispiellose Maßnahmen ergreifen, die z.B. eine Suspendierung aller spanischen Aktivitäten im europäischen Fußball beinhalten sollten. Außerdem sollte eine von der UEFA geleitete Kommission zur Einführung verschiedener Maßnahmen gegen Rassismus gegründet werden. Für eine solche Ereigniskette reichen keine Bußgelder oder Abmahnungen mehr.“