Interview mit Rechtsanwalt Alain Makengo Kikandou, Präsident der kongolesischen Organisation LISPED13 Februar 2007

Herr Makengo, erzählen Sie uns bitte, wie Ihre Organisation LISPED (Ligue Sportive pour la Promotion et la defence des droits de l'Homme) entstanden ist.

„LISPED wurde März 1999 nach den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, welche an der Universität Kinshasa zwischen dem 18. November 1998 und dem 10. Dezember 1998 stattfanden, gegründet – also in etwa, als ich mit meinem Jurastudium fertig war.
Wir haben uns folgende Zielsetzungen gestellt:
– Die Sportöffentlichkeit im In- und Ausland auf die vorrangige Stelle aufmerksam zu machen, welche die Menschenrechte in jeder demokratischen und friedlichen Gesellschaft einnehmen müssen, in der es immer notwendig ist, für die Wahrung des Friedens und die Achtung der menschlichen Würde – insbesondere innerhalb der Sportwelt – zu kämpfen;
– Sämtliche Formen der Gewalt in der Sportwelt zu bekämpfen mit dem Ziel, Sportler, Führungskräfte, Zuschauer, Frauen, Kinder, physisch bzw. psychisch behinderte Menschen, usw. zu schützen;
– Das Engagement der nationalen und internationalen Sportgemeinschaft für die Werte des Sports zu fördern: Das Fair-Play, der Verzicht auf Gewalt, der Frieden, die Liebe, die Gerechtigkeit, der Antirassismus und der gegenseitige Respekt.“

Wie war Ihre Erfahrung auf dem in Nairobi stattgefundenen World Social Forum?
„Das Forum war für LISPED eine positive Erfahrung. Wir konnten unsere Partner (UISP, LIBERA) persönlich kennen lernen und auf den von Ihnen veranstalteten Workshops lernen, dass der Sport eine außerordentlich wichtige Rolle für die harmonische Entwicklung der Völker weltweit spielen kann. Wir haben uns die Netzarbeit angeeignet. Daher entstand zum Beispiel die Idee, ein Afrikanisches Netz für den Frieden im Sport (RAPS) zu gründen. Wir haben uns den anderen Organisationen vorgestellt, die sich für den Frieden, die Gewaltlosigkeit usw. einsetzen.
Einer der Hauptpunkte dieses Forums war die vertiefte Analyse der anwendbaren Methoden zur Konfliktverwaltung: Die Demokratie, der gegenseitige Respekt, die Wahrnehmung und Achtung der Unterschiede in den Kulturen und Meinungen der verschiedenen Völker, die Vermittlung und der Dialog, das Nachdenken und die Toleranz. Das allerwichtigste für uns war allerdings die Tatsache, dass UISP uns eingeladen hat, mit einem unserer Juniorteams an der nächsten antirassistische Weltmeisterschaft „Mondiali Antirazzisti“ Juli 2007 teilzunehmen sowie die wahrgenommene Chance, dank der uns von FIFA und FARE gewährten finanziellen und materiellen Unterstützung für unsere Aktionen besser zu werben.
Der vom Slum KIBERA begonnene Anfangsmarsch und der aus KOROGOCHO gestartete Marathon haben uns gezeigt, wie wir unsere Aktionen zugunsten der armen und benachteiligten Völkergruppen besser gestalten können.
Auch in Kongo gibt es Slums: Kimbanseke, Kinsenso, Malueka, Mbanzalemba, usw.“

Und wie sieht Ihr Projekt zur Errichtung eines Afrikanischen Netzes für den Frieden im Sport (Réseau Africain pour la Paix dans le Sport – African Network of Sports for Peace) aus?

„Auf der Grundlage der auf dem World Social Forum gemachten Erfahrung können wir sagen, dass ganz Afrika mobilisiert werden muss, um gegen die Gewalt in der RDC (Demokratischen Republik Kongo) effektiv vorzugehen. Die Zunahme der Gewaltfälle in den Sportanlagen, bei denen Kinder, Frauen und Menschen mit Behinderungen im Falle einer Explosion zu Opfern werden, ist eine Plage in vielen Gegenden Afrikas.
Weitere Probleme, mit denen Afrika als Ganzes zu kämpfen hat, sind zum Beispiel der so genannte “Schwarzenhandel”, d.h. der oft praktizierte Abschluss von falschen Verträgen, um junge afrikanische Sportler ins Ausland zu befördern, sowie der Drogenmissbrauch, die HIV/Aids-Pandemie, usw. Es ist unmöglich, mit solchen Problemen fertig zu werden, wenn Afrika nicht in der Lage sein wird, eine gemeinsame Front gegen diese Unheile zu bilden.
Unser Wunsch wäre dass Afrika, genauso wie das FARE-Netzwerk in Europa, große Sportveranstaltungen als Sprungbrett verwenden kann, um seine Stimme für das Fair-Play und gegen Rassismus zu erheben. Das ist eins der positiven Elementen des Forums: Die Erkenntnis, dass wir in einem Netz zusammenarbeiten sollen, damit unsere Aktionen die erwünschten Ergebnisse erzielen.
Das Hauptziel dieses Netzes besteht darin, durch den Sport jene Werte zu unterstützen, welche die Integration zwischen verschiedenen Völkern, Kulturen und Nationen fördern, damit die allgemeine Entwicklung in Richtung Liege, Fair-Play, Gewaltlosigkeit und Antirassismus geht.
Es ist uns sehr wohl bewusst, dass diese Aufgabe nicht leicht zu bewältigen sein wird: Wir zählen jedoch auf den guten Willen der Organisationen und Vereine, die sich für diese Ziele einsetzen, und hoffen, dass sie uns dabei helfen werden, unser Netz zu entwickeln.“

(Das Interview wurde von Layla Mousa geführt)