Institutionelle Diskriminierung ist Thema einer Tagung in Amsterdam; Fußballverbände und Experten nehmen gemeinsam die Ausgrenzung im Fußball in den Blick18 Januar 2011

Das Problem der institutionellen Diskriminierung im Fußball wird Thema einer Tagung sein, die an diesem Mittwoch (19. Januar) in Amsterdam stattfindet.
Die Tagung, die gemeinsam von der UEFA, dem niederländischen Fußballverband KNVB, dem englischen Fußballverband FA und dem FARE- Netzwerk veranstaltet wird, widmet sich erstmals dem Problem der Ausgrenzung von ethnischen Minderheiten und Frauen im Fußball, insbesondere in den Bereichen Trainerwesen, Management und Verwaltung.
Fußballverbände als Adressaten
Das Seminar wendet sich an Funktionäre aus Fußballverbänden in ganz Westeuropa und konnte eine Reihe von Experten, darunter Aktivisten, Europaparlamentarier, Vertreter von EU-Institutionen und Wissenschaftler gewinnen, die die Thematik aus ihrer jeweiligen Perspektive beleuchten werden.
Unter den Rednern werden Vertreter des FARE-Netzwerks, darunter Carine Bloch von der französischen NGO Licra (Liga gegen Rassismus und Antisemitismus) und Valeriu Nicolae vom Policy Center für Roma und Minderheiten in Bukarest sein.
Weitere Redner werden unter anderem der frühere Mittelfeldspieler der niederländischen Nationalmannschaft Aron Winter, die im Wahlkampf stehende EU-Parlamentarierin Emine Bozkurt sowie die norwegische Pionierin Karen Espelund, die erste und bisher einzige Generalsekretärin eines Fußballverbandes, sein.
Leugnung des Offensichtlichen
“Institutionelle Diskriminierung wird oftmals trotz ihrer Offensichtlichkeit geleugnet, über sie wird nicht gesprochen, wenn man Probleme der Gleichheit im Sport diskutiert,” sagt hierzu Piara Powar, Geschäftsführer des FARE-Netzwerks.
“Im Fußball wird sie durch den Mangel an Angehörigen ethnischer Minderheiten unter Top-Trainern oder Managern auf nationaler oder internationaler Ebene sowie unter den Funktionären aller Ebenen sichtbar. Ähnlich verhält es sich mit der nicht nachvollziehbaren Abwesenheit von Frauen unter den Funktionären und in in leitenden Positionen des Sports.
“Dies ist das erste Mal, dass eine Körperschaft des Fußballs die Initiative ergreift, das Problem der strukturellen Diskriminierung mit einer Veranstaltung dieser Art zu betrachten, und dieser Schritt ist uns sehr willkommen.”
‘Zentrale Probleme’
William Gaillard, Berater des UEFA-Präsidenten, Kommentiert: „Die UEFA ist seit vielen Jahren Vorkämpferin gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport. Sowohl auf den Rängen als auch auf dem Platz wurden im Laufe der Jahre große Fortschritte gemacht.
“Zugleich ermöglichen uns diese deutlich sichtbaren Fortschritte, andere, weniger dramatische, aber ebenso wichtige Probleme wie die Teilhabe von ethnischen Minderheiten und Frauen auf allen Ebenen des Fußballs anzugehen” fügt er hinzu.
“Damit vollziehen wir im Grunde genommen nur das nach, was in Europa sowohl auf der politischen als auch auf der zivilgesellschaftlichen Ebene passiert: Fußball sollte nicht hinter andere Bereiche der europäischen Gesellschaft zurückfallen.“
Forschungsbilanz
Eine umfassende Forschungsbilanz wurde für die Tagung bei der Loughborough University (England) in Auftrag gegeben und wird am Mittwoch präsentiert. Die Bilanz liefert Argumente für Maßnahmen in diesem Bereich, indem sie zentrale Probleme verdeutlicht.