Interview von Gilardino in einer Tageszeitung für Homosexuelle08 September 2006

„Ich verhehle nicht, dass es mich gefreut hat, in den Zeitungen zu lesen, dass ich sowohl für Frauen als auch für homosexuelle Männer ein Sex-Symbol geworden bin „. Das traditionelle Bild des männlichen Fußballspielers widerlegend hat Alberto Gilardino zugestimmt, gay.it ein Interview zu geben. Er ist damit der erste Profifußballer, der das heikle Thema der Homosexualität in einer Schwulentageszeitung behandelt. Er spricht als Heterosexueller, aber ohne Vorurteile. Er freut sich, ein Symbol der italienischen Schwulenszene geworden zu sein, die ihn nicht nur wegen seiner Tore sondern aufgrund seines Aussehens gewählt hat.

„Ja, es gefällt mir, aber mir ist auch klar, dass wir Personen von öffentlichem Interesse sind, und dass unser Bild in der Öffentlichkeit überbetont wird. Unsere Nationalmannschaft von Berlin“, so der Stürmer vom AC Mailand, „hat wirklich alle für sich eingenommen, unabhängig von der jeweiligen politischen, religiösen oder sexuellen Überzeugung“. Der Weg zur Gleichbehandlung ist in der Welt des Fußballs aber noch sehr lang: „Die Fähigkeit des Fußballers, sich durch seine Entscheidung oder natürliche Neigung nicht unter Stress setzen zu lassen, ist ausschlaggebend „. Es kann allerdings sein, dass unsere Gesellschaft noch nicht reif genug ist, die Entscheidung des Einzelnen zu respektieren „. Eine Reife, die auch im Hinblick auf Themen wie die Adoptionen durch Schwule fehlt. Hinsichtlich zivilrechtlicher Verträge als eheähnlicher Lebensgemeinschaften scheint Gilardino optimistischer zu sein: „Ich gehe von einem grundlegenden Prinzip unseres Landes aus, und zwar dem, dass wir alle gleich sind, und wir alle die gleichen Rechte und Pflichten haben. Es ist die Regierung, die durch Vermittlung eine Lösung finden muss. Ich glaube allerdings, dass der Weg noch lang und schwierig sein wird.“

Zum Abschluss zitiert Gilardino Voltaire: „Ich kann dem, was du sagst, nicht zustimmen, aber ich werde bis zu meinem Tod dein Recht, es auszusprechen, verteidigen. Dieser Satz entspricht meinem Denken und meinem Lebensstil.“ Wenige Tage nach der Öffnung von Manchester City gegenüber der Schwulengemeinde der Stadt ein weiteres kleines Zeichen für Toleranz in der Welt des Fußballs.

(Quelle: Repubblica, vom 8. September 2006 – Artikel von Mattia Chiusano)

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