FARE-Rückblick 200309 Januar 2004

Für FARE begann das Jahr 2003 mit der Herstellung noch stärkerer Verbindungen zur UEFA. Die Früchte dieser Zusammenarbeit werden nun langsam geerntet. Im Januar nahm die UEFA den Rassismus als Thema in ihren Lehrplan für internationale Schiedsrichter auf.

Im März fand nach monatelangen Vorbereitungen durch FARE, die UEFA und den englischen Fußballverband die äußerst erfolgreiche Konferenz „Vereint gegen Rassismus“ im Stadion des FC Chelsea statt. An dieser hochrangigen Konferenz nahmen Funktionäre und Spieler führender europäischer Vereine sowie Vertreter aller europäischen Nationalverbände teil. Neben der Moderation von Workshops vermittelten Vertreter des FARE-Netzwerkes ihre Erfahrungen mit Rassismus im Fußball und erläuterten ihre Aktivitäten zur Bekämpfung des Problems.

Nach der Konferenz stellte die UEFA allen europäischen Fußballverbänden finanzielle Mittel zur Bekämpfung des Rassismus zur Verfügung. Hierbei fungierte FARE als Berater der UEFA bei der Überprüfung der Wirksamkeit der durch die Nationalverbände eingereichten Projektvorschläge.

Im Verlauf des Jahres wurden Vereine und Nationalverbände, deren Anhänger durch rassistische Ausschreitungen auffielen, weiterhin von der UEFA mit Strafgeldern belegt. Nachdem englische Nationalspieler Ende 2002 auf rassistische Weise angepöbelt worden waren, wurde 2003 leider das umgekehrte Beispiel geliefert, als Fans der englischen Nationalmannschaft während des EM-Qualifikationsspiels gegen die Türkei rassistische Beschimpfungen von sich gaben. Die UEFA verhängte deswegen eine Geldstrafe in Höhe von 99.000 Euro gegen den englischen Verband, die höchste, die jemals wegen rassistischer Vorkommnisse verhängt wurde. Traurigerweise wurden 2003 sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene noch viel mehr rassistische Vorfälle registriert.

UEFA setzte 2003 die Kampagne „Vereint gegen Rassismus“ unvermindert fort. Das FARE-Netzwerk wurde weiterhin gefördert und Antirassismus-Initiativen wurden bei den Endspielen im UEFA-Pokal und in der Champions League lanciert. Im Juli gab die UEFA in Zusammenarbeit mit FARE ein Handbuch gegen Rassismus heraus. Hauptziel des Handbuches ist es, Beispiele von Antirassismus-Arbeiten und Initiativen durch Fans, Vereine, Spieler und Organisationen aufzuzeigen, in der Hoffnung, dass dadurch neue Initiativen gestartet werden. Das UEFA-Handbuch wird an alle europäischen Verbände, Ligen und Vereine sowie UEFA-Schiedsrichter, Spieldelegierte und Stadiendirektoren verteilt.

„Rassismus ist ein Übel. Ich finde keine anderen Worte, um es auszudrücken. Das muss ausgelöscht werden. Für uns gilt ohne Ausnahme, dass die UEFA nicht dazu bereit ist, Vorfälle von Rassismus oder weitergehende Äußerungen von rassistischen Vorurteilen zu akzeptieren.“
Gerhard Aigner, UEFA-Generaldirektor im Jahre 2003.

Mondiali Antirazzisti
In diesem Jahr fand auch die bisher erfolgreichste „Mondiali“ statt. Die Antirassistische-Fan-WM wird seit 1997 in Italien durchgeführt. Organisiert wird sie durch die FARE-Partner Progetto Ultrà, UISP und Istoreco mit finanzieller Unterstützung durch FARE. Das Turnier bietet Fußballfans aus ganz Europa die Möglichkeit, sich in einer Atmosphäre der Freundschaft zu begegnen und gegeneinander Fußball zu spielen. 2003 nahmen über 4.000 Teilnehmer und 168 Mannschaften am Turnier teil.

Aktionswoche
Eine Rekordteilnahme an der Aktionswoche gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball verzeichnete FARE 2003. Mehr als 300 Fangruppen, Vereine, Nationalverbände und Migrantenorganisationen aus 23 Ländern beteiligten sich an der diesjährigen Aktionswoche.

Besonders ermutigend war die starke Beteiligung der Fußballverbände und Antirassismus-Initiativen in Zentral- und Osteuropa, wo der Rassismus in Fußballstadien teilweise weit verbreitet ist. Die Mitwirkung aller 92 Profivereine in England und Wales bildete einen Höhepunkt der Bemühungen von FARE, den Rassismus aus dem Fußball zu vertreiben. Erstmals nahmen auch Topvereine aus den Niederlanden an der FARE-Kampagne teil.

Die UEFA unterstütze die FARE-Aktionswoche nicht nur finanziell sondern auch personell: Eine aus UEFA-Angestellten zusammengesetzte UEFA-Elf spielte im Stade de Colovray – gegenüber des UEFA-Hauptsitzes – gegen eine Mannschaft des in Genf ansässigen Afro-Schweizerischen Sportverbandes OSAS. Der europäische Dachverband veranstaltete zusätzlich im Haus des Europäischen Fußballs in Nyon eine von FARE ausgearbeitete Ausstellung.

Auszeichungen
Nach der MTV-Auszeichnung „Free Your Mind“ 2002 erhielt FARE im Oktober 2003 für seinen beispielhaften Einsatz gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus den mit 10.000 Euro dotierten Jean-Kahn-Preis. Die Auszeichnung wurde zum ersten Mal von der in Wien ansässigen Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) sowie der Evens Foundation gestiftet. Besonders beeindruckt war die Jury von der innovativen Arbeit von FARE im Bereich des Fußballs, die Aufklärungs- und Bildungsarbeit auf lokaler und europäischer Ebene umfasst.

Fans
Ohne den unermüdlichen Einsatz engagierter Fußballfans aus ganz Europa wäre die Arbeit von FARE gar nicht möglich. Obwohl Rassismus auf allen Ebenen des Spiels zu beobachten ist – von der Tribüne über den Platz bis in die Vorstandsetage der Vereine und Verbände – sind es die Initiativen der Anhänger auf der Basisebene, die im Kampf gegen Rassismus am wirkungsvollsten sind. Mit der Unterstützung der Fans wird FARE 2004 noch stärker werden.