Das Europäische Parlament macht geschlossen Front gegen Rassismus15 März 2006

Dem Präsidenten des Europäischen Parlaments Josep Borrell haben sich in Strasbourg Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEP) verschiedenster politischer Gruppierungen, Kampagnenakteure und Vertreter des europäischen Fußballs angeschlossen, um einen formalen Beschluss zum Rassismus im Fußball anzunehmen.

Das einseitige Dokument hat bisher mehr Unterschriften erhalten als alle anderen früheren schriftlichen Beschlüsse des Parlaments: über 420 MEP haben sich dem Aufruf angeschlossen.

Der Beschluss appelliert an alle, die als Aktive oder im Hintergrund am Fußballgeschehen beteiligt sind, den Druck im Kampf gegen den Rassismus zu erhöhen und fordert schärfere Sanktionen für rassistische Beschimpfungen in und außerhalb des Stadions Die UEFA wird dringend aufgefordert, in dieser Sportart Sanktionen wie Vereinsausschlüsse von Turnieren einzuführen.

Präsident Borrell verlieh der schriftlichen Erklärung den Status eines formalen Beschlusses des Europäischen Parlaments und forderte die nationalen Regierungen und die europäischen Fußballbehörden dringend auf, gegen Rassismus im Fußball vorzugehen.

„Die Grundrechte eines Menschen können bei einer Sportveranstaltung nicht einfach außer Acht gelassen werden. Ich fordere daher die Regierungen, die UEFA und die Vereine auf, konkrete Maßnahmen auszuarbeiten“, so Borrell.

Borrell betonte weiter, dass sich die Geschehnisse im Stadion grundsätzlich auf die Gesellschaft als Ganzes auswirken. „Der Fußballsport ist ein Spiegelbild der Gesellschaft – ein Abbild aller guten, aber auch aller schlechten Seiten. Auch Rassismus und Fremdenhass spiegeln sich im Fußball wider und werden hier noch verstärkt. Fußball ist eine Theaterbühne, auf die Millionen von Menschen ihren Blick richten, und daher werden auch die negativen Szenen auf der ganzen Welt gesehen.“

Der Medien- und Kommunikationsdirektor der UEFA William Gaillard unterstrich das Engagement des leitenden europäischen Fußballverbands und betonte darüber hinaus eindringlich die Wichtigkeit der politischen Unterstützung im Kampf gegen den Rassismus.

„Die UEFA kann zwar die Vorreiterrolle im Kampf gegen den Rassismus übernehmen, aber wir brauchen die Rückendeckung des Europäischen Parlaments, damit wir gegen jede Form der Diskriminierung – sei sie rassistisch, religiös oder sexuell motiviert – auch über die Grenzen der Europäischen Union hinaus vorgehen können.“

Nichtregierungsorganisationen und Fangruppen aus dem Netzwerk „Football Against Racism in Europe“ (FARE) führten schon seit über drei Monaten unermüdlich ihre Lobbyarbeit bei den MEP in ganz Europa durch und hielten ihnen dabei die Dringlichkeit des Problems immer wieder nachdrücklich vor Augen.

Die Initiatorin des Beschlusses, die niederländische MEP Emine Bozkurt sagte die Zusammenarbeit des Parlaments mit der Europäischen Kommission zu, um so die Ziele des Beschlusses umsetzen zu können:

„Ein geschlossen agierendes Parlament hat ein brilliant inszeniertes Tor gegen den Rassismus erzielt – aber das Spiel geht weiter. Ich werde unseren EU-Kommissar für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit Herrn Spidla bitten, den Fußballvereinen dringend klarzumachen, dass sie ein rassismusfreies Arbeitsklima schaffen müssen, so wie es in Artikel 13a des Vertrags von Amsterdam vorgesehen ist.“

Paul Elliott (Member of the British Empire), der früher bei Chelsea, Celtic und in Bari (Italien) gespielt hat, war als Vertreter des FARE-Netzwerks ebenfalls in Strasbourg anwesend und begrüßte diesen Beschluss

„Heute ist Rassismus die schlimmste Gefahr für den Fußball, und daher ist eine starke Führungsrolle im Kampf gegen den Rassismus von entscheidender Wichtigkeit. Wir können Rassismus einfach nicht mehr tolerieren.“

„Niemand steht über dem Gesetz und jeder hat das Recht, Spaß an diesem schönen Spiel zu haben, und zwar unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Bekenntnis oder Religionszugehörigkeit. Chancengleichheit auf dem Spielfeld und in den Zuschauerrängen ist kein Privileg, sondern ein Grundrecht,“ führte Elliott weiter aus.

Die fünf Mitglieder des Europäischen Parlaments, die hinter der schriftlichen Erklärung stehen, sind Emine Bozkurt MEP (Europäische Sozialistische Partei/Niederlande), Chris Heaton-Harris MEP (European People's/Großbritannien), Cem Özdemir MEP (Die Grünen/Deutschland), Alexander Nuno Alvaro MEP (FDP/Deutschland), Claude Moraes MEP (European Socialists/Großbritannien).