Europäischer Fußball kämpft gegen Rassismus und feiert unser schönes Spiel20 Oktober 2006

Die siebte FARE-Aktionswoche startete mit einer europaweiten Kampagne, um Rassismus und Intoleranz aus unserem schönen Spiel zu verbannen.

Die alljährlich vom FARE-Netzwerk organisierte und mit Unterstützung der UEFA umgesetzte Demonstration der Stärke läuft vom 17. bis zum 30. Oktober und bringt Fußballfans, Vereine und Opfer von Rassismus in ganz Europa zu einem Kraftakt zusammen, damit Diskriminierung im Fußball bald der Vergangenheit angehört. Mit nunmehr mehr als 1.000 Einzelaktionen in 37 verschiedenen europäischen Ländern hat sich die FARE-Aktionswoche seit ihrer Lancierung im Jahre 2001 massiv weiterentwickelt.

An den beiden Wochenenden der Aktionswoche soll die Kampagne das öffentliche Bewusstsein für das Problem von Rassismus und Diskriminierung schärfen und eine gemeinsame Front gegen diesen unheilvollen Einfluss in Europas Sportart Nummer eins weiter aufbauen.

Professionelle Ligen nehmen am Kampf teil
Eine Rekordanzahl von 14 europäischen Ligen widmen den nächsten Spieltag dem Kampf gegen Rassismus, unter ihnen England, Schottland, Zypern, Mazedonien, Malta, Slowenien, Rumänien sowie Norwegen.

In Belgien initiierte das „Zentrum für Gleichberechtigung“ die Kampagne „Benimm dich nicht wie ein Affe“, bei der sich sämtliche Profivereine, der belgische Fußballverband, die Fanföderation sowie die Spielergewerkschaft Sporta des Problems der rassistischen Schmährufe im Stadion annehmen werden. Bei den Fernsehsendungen wird ein TV-Spot ausgestrahlt und 80.000 Poster werden unter den Fans verteilt; außerdem sind die Vereine aufgefordert worden, eine Charta gegen Rassismus zu unterzeichnen.

In Portugal koordiniert die Spielergewerkschaft SJPF antirassistische Stadionaktionen im ganzen Land, bei denen die Stars Eusébio, Fernando Gomes und Vítor Baía als Botschafter fungieren werden. Der ungarische Spielerverband organisiert eine Kampagne, bei der alle Erstligaklubs mitmachen werden. Die Spieler werden beim Aufwärmen T-Shirts gegen Rassismus tragen, Stadiondurchsagen werden auf die Aktion hinweisen und Kinder mit migrantischem Hintergrund werden bei der Mannschaftssaufstellung ein FARE-Transparent präsentieren.

Zum ersten Mal nehmen nach mehreren rassistischen Vorfällen seit der WM alle 73 Mannschaften der ersten und zweiten Bundesliga sowie der beiden Regionalligen an der FARE-Aktionswoche teil. Insgesamt 750.000 rote Karten werden an die Zuschauer verteilt, damit diese kurz vorm Anstoß gemeinsam mit den Spielern dem Rassismus die Rote Karte zeigen können. Im benachbarten Österreich organisiert die Bundesliga Aktivitäten mit allen 22 Profivereinen. Bei der Mannschaftsaufstellung werden die Kapitäne eine Erklärung gegen Rassismus vorlesen. Außerdem wird in allen Stadien ein neuer TV-Spot gegen Rassismus laufen und vom FARE-Partner FairPlay-vidc ein antirassistisches Fanzine verteilt.

Im Anschluss an einen rechtsextremistischen Vorfall im serbischen Fußball – letzte Woche wurde ein Gegenspieler aus Simbabwe von 37 mit Ku-Klux-Klan-Masken ausgestatteten Fans des FK Borac beschimpft – haben der serbische Fußballverband und die Vereine beschlossen, ihre Aktivitäten zur Vertreibung des Rassismus aus den Stadien zu intensivieren. Neben bereits geplanten antirassistischen Spieltagen bei den Vereinen FC Smederevo, OFK Belgrad, Partizan Belgrad, Roter Stern Belgrad, Zemun sowie Vojvodian werden 80.000 FARE-Flugblätter an die Fans verteilt.

Rafal Pankowski, Sprecher des polnischen FARE-Partner „Nie Wieder“ sagte:

„In den letzten zehn Jahren wurden zwar gute Fortschritte im Kampf gegen Rassismus im Fußball gemacht, doch das Problem wurde keinesfalls ausgerottet. In manchen Teilen Europas sehen sich schwarze und andere Spieler migrantischer Herkunft noch regelmäßig sowohl im Profi- als auch im Amateurfußball rassistischen Schmährufen ausgesetzt. Außerdem fühlen sich Migranten und ethnische Minderheiten nach wie vor aus den bestehenden Fußballstrukturen in den Verbänden, Vereinen und einigen Fanclubs in ganz Europa ausgegrenzt.“

Beteiligung der Basis in Osteuropa
Zur Verstärkung der Botschaft, dass Fußball eine Sportart für alle unabhängig der Herkunft, Hautfarbe oder Sprache ist, unterstützt FARE eine Vielzahl von Basisinitiativen. Jugendfußballturniere werden insbesondere von Menschenrechtsgruppen in osteuropäischen Nicht-EU-Mitgliedsstaaten zur Steigerung des Bewusstseins und zur Integration von Roma und anderen ethnischen Minderheiten eingesetzt. Solche Veranstaltungen finden in Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Georgien, Moldawien, Russland und Mazedonien statt.

Zelebration der Fankultur
As wichtigste Akteure des antirassistischen Kampfes im Fußball werden Fangruppen in ganz Europa die sichtbarsten Aktionen der Aktionswoche gegen Rassismus durchführen. So werden acht Mitglieder des Fan-Netzwerkes „Réseau Supporter de Resistance Antiraciste“, unter ihnen die französischen Vereine Sochaux, Rennes, Metz, Valence, Clermont, Bordeaux und Cannes sowie Lüttich (B) und Lausanne (CH), Choreographien inszenieren, Transparente präsentieren und Diskussionsrunden organisieren. In der tschechischen Republik führen das Fanprojekt des Meisters Slovan Liberec sowie die Ultras von Bohemians Prag bunte Fanchoreos bei ihren jeweiligen Heimspielen durch. Andere aktive Fangruppen sind die von Bröndby, den Young Boys Bern, Venezia, Ancona, Cadiz, Paris SG, Arsenal Kiew und Kaiserslautern.

Gegen Homophobie und Sexismus
Zur Bekämpfung von Diskriminierung auf der Basis der sexuellen Orientierung sowie des Geschlechts unterstützt FARE eine Reihe von Initiativen. Der schwule Fanclub Hertha JunXX in Berlin wird beim Spiel zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach ein Transparent zeigen. Die Schalker Fan-Initiative hat ein Poster herausgebracht, auf dem homosexuelle Jugendliche in Fußballtrikots abgebildet sind. Die Frauenfanclubs Borussen Playgirls (Borussia Dortmund) sowie die Bochum Wildcats (VfL Bochum) werden Transparente beim Bundesligaspiel zwischen den beiden Vereinen zeigen. In der mazedonischen Hauptstadt Skopje organisiert der MKD Prokultura ein erstes Turnier für Mädchen mit migrantischem Hintergrund.

Enorm hohe Zuschauerzahl
Die Begegnungen der UEFA Champions League am 17./18. Oktober galten als Auftakt der FARE-Aktionswoche. Alle 32 Mannschaften der europäischen Königsklasse wurden von Kindern aufs Spielfeld begleitet, die T-Shirts mit dem Slogan 'Unite against Racism' an hatten. Außerdem trugen alle Spielführer Kapitänsbinden gegen Rassismus. Diese symbolischen Aktivitäten wurden von 618.000 Fans in den 16 Stadien sowie weitere 100 Million TV-Zuschauern am Bildschirm live verfolgt.