EURO 2008: Auseinandersetzungen mit türkischen Fans in mehreren Schweizer Städten13 Juni 2008

Angereiste Fans der türkischen Nationalmannschaft und migrantische Jugendlichen feierten am Mittwoch abend in der Basler Innenstadt ausgelassen den knappen 2:1 Sieg über den Gastgeber Schweiz.

Während nach dem Ausscheiden der Schweizer „Nati“ im und rund um den Basler St.-Jakob-Park alles weitgehend ruhig und friedlich blieb, kam es in mehreren Schweizer Städten zu Auseinandersetzungen zwischen frustrierten Schweizern und türkischen Fans. In den Städten Basel, Zürich, Winterthur, Aarau und Kreuzlingen kam es zum Einschreiten der Sicherheitskräfte, die Polizei nahm 85 Personen fest, 25 davon in Basel. Beobachtungen des Netzwerks FARE – Football Against Racism in Europe und Medienberichte weisen darauf hin, dass auch Mitglieder der rechtsextremen Szene die Provokation offensiv suchte.

Aus Angst vor weiteren Ausschreitungen mit der rechten Szene, blieb der Berner Bahnhofsplatz bis lange nach Mitternacht gesperrt. Nach dem Spiel verhaftete die Polizei mehrer Rechtsradikale nach dem sie unter anderem Flaschen gegen die Ordnungshüter warfen. Die Polizei setzte auch Gummigeschosse ein.

In der Einkaufspassage des Hauptbahnhofes in Zürich skandierten rechtsgerichtete Skinheads kurz vor 1 Uhr früh „Scheiss-Türken“, „Dönerfresser“ und „Mein Bär will Türken verschlagen“. Die türkischen Fans ließen sich aber nicht provozieren.

In Aarau, einer Stadt zwischen Basel und Zürich gelegen, wollten etwa 200 Schweizer rund 400 friedlich feiernde Türkei-Fans provozieren. Es kam zu Scharmützeln. 14 Personen wurden nach Polizeiangaben vorübergehend festgenommen. Fast 200 Polizisten waren im Einsatz.

Community in Basel
In den Baseler Stadteilen nördlich des Rheins, in dem jeder sechste Einwohner türkischer Staatsangehöriger ist, bleiben ernstzunehmende Konflikte aus. Im Stadtteil Kleinbasel rund um den Claraplatz gab es auffallend viele Schweiz-Unterstützer. Wenige der Kebabstände trugen türkische Flaggen, da hier der Anteil an Kurden besonders hoch ist. Befürchtungen dass kurdische Gruppen das Spiel für anti-türkische Bekundungen nutzten könnten, wurden ebenfalls nicht bewahrheitet. Die Host City Basel bemühte sich durch türkische Ansagen im den öffentlichen Verkehrsmittel zur positive Stimmung beizutragen. Im Stadion war ein Fantransparent mit der Aufschrift „Schweiz –Türkei Fussball verbindet“ zu sehen.

Mediale Zurückhaltung
Im Vorfeld der Begegnung gingen die Schweizer Medien erstaunlich abgeklärt mit dem Skandalspiele zwischen der Türkei und der Schweiz vor zweieinhalb Jahren um. Nachdem sich die Schweiz am 16. November 2005 in Istanbul für die WM qualifizierte, mussten die Schweizer Spieler nach Schlusspfiff vom Spielfeld flüchteten und auf dem Weg in die Kabinen kam es zu wüsten Prügelszenen. Lediglich die Boulvardzeitung „Blick“ titelte „Wir haben nicht vergessen“ und spielte damit mit anti-türkischen Ressentiments. Im Gegensatz dazu lautete im Schwestern-Blatt „Blick am Abend“ die Überschrift „Türken müssen Türken besiegen“ und verwies dabei auf den wichtigen Beitrag der Teamspieler Murat Yakin, Gökhan Inler und Eren Derdiyok, allesamt in der Schweiz geborene „Sekondos“ mit Eltern die aus der Türkei einwanderten.