Antirassismus Netzwerk zieht positive WM-Zwischenbilanz20 Juni 2006

Nur vereinzelte rassistische Vorfälle beobachtet
Nach 29 von insgesamt 64 Begegnungen der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006 zieht das Netzwerk FARE (Football Against Racism in Europe) eine vorwiegend positive Bilanz des bisherigen Verlaufs. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, überwiegt eine friedliche und multikulturelle Atmosphäre sowohl in den Stadtzentren als auch im Stadion. Die grosse Mehrheit der Fans schloss sich solchen fremdenfeindlichen Aktionen einiger weniger Unruhestifter nicht an und traten dieser Art von Verhalten zum Teil auch aktiv entgegen.

Nach einem Bericht von FARE hat die FIFA ihre Anstrengungen verstärkt, diskriminierendes Verhalten im Stadion zu verhindern.

Football Unites-Programm
Das WM-Organisationskomitee finanziert erstmals präventive Antirassismusarbeit bei einer WM-Endrunde. Das FARE Netzwerk arbeitet dabei eng mit den Fanbotschaften (organisiert von der Koordinierungsstelle deutscher Fanprojekte – KOS) zusammen und ist in Deutschland mit zwei mobilen Fußballanlagen unterwegs. Streetkick-Turniere für Fans und MigrantInnen fanden bislang in Berlin, Hamburg, Gelsenkirchen, Stuttgart, Köln und Leipzig statt. Weitere Events wurden in Zusammenarbeit mit den Fanprojekten in Dortmund und Hannover durchgeführt. Über 10 000 Fanzines mit Antirassismus-Statements der Kapitäne wurden ebenfalls verteilt. Zudem betreibt FARE bei ausgesuchten Spielen ein Monitoring.

Rechtsextreme Gesten bei Italien – Ghana
Beim Spiel Italien gegen Ghana in Hannover erhoben während der Nationalhymne etliche Dutzend Fans im italienischen Sektor ihren rechten Arm zum faschistischen Gruß. Wie der Fanbotschafter Ghanas, Bella B. Bitugu, in einem Bericht an FARE erklärte, wurde ein Mann in einem Italien-Trikot im ghanaischen Sektor von den ihn umgebenden Fans aufgefordert, die diskriminierende Geste zu unterlassen. Während des Spiels schwenkte ein italienischer Fan bei Foulvergehen der Black Stars eine aufblasbare Banane. Auf dem Weg ins Stadion entdeckten FARE- Beobachter auch ein „Ultras Italia“ Graffiti mit einem Swastika.

Deutschland gegen Polen
Die Auseinandersetzungen vor und nach der Begegnung Deutschland – Polen in Dortmund, hatten offensichtlich keinen klaren rechtsextremen Hintergrund. Dennoch befanden sich auch Rechtsextreme unter den Krawallmachern. Laut einem Bericht von Reuters skandierten einige deutsche Fans „Sieg Heil“. Die Dortmunder Rundschau zitiert einen Freiwilligen, dass sich etliche Neo-Nazis unter jener Gruppe befanden, die vor dem Anpfiff polnische Fans vom Alten Markt zum Friedensplatz trieben. Die Ruhr Nachrichten berichteten über 30 Hooligans die „ihre rechtsradikalen polnischen Parolen anstimmten“. Vor den Gruppenspielen gegen Ekuador und Deutschland wurden einige polnische Fans in den Stadtzentren mit Schals mit Keltenkreuzen und dem Totenkopf der Waffen-SS-Symbolik gesichtet.

Xenophobes Merchandising
In Stuttgart wurden nach dem Frankreich – Schweiz Spiel außerhalb des Stadion xenophobe Fanartikel verkauft. Auf einem Schal hieß es “Tschüss Türkei – Türkisch Mann bleibt zu Hause” – dazu eine stereotype Darstellung eines alten, barttragenden Moslems. Zu den befürchteten Konflikten zwischen in Deutschland lebenden türkischen Migranten und Schweizer Fans ist es allerdings nicht gekommen.

Rassistisches Symbol im serbischen Sektor
In Leipzig war beim Spiel Niederlande gegen Serbien-Montenego im serbischen Sektor ein Transparent mit einem Keltenkreuz zu sehen. Das Keltenkreuz ist ein weit verbreitetes rassistisches Symbol der „White Power“ Bewegung. Bei der EURO 2004 wurde der kroatische Verband aufgrund zweier Keltenkreuz-Transparente zu einer Geldstrafe verurteilt.

Mit Beginn der WM hat FARE eine Anti-Rassismus Hotline eingerichtet. Unter der Telefonnummer ++49 (0)151 520 78186 oder der e-mail footballunites@gmail.com bzw. der Web-site www.FAREnet.org können Fans Vorfälle melden.

Für Rückfragen und weitere Informationen:
Kurt Wachter, FARE / FairPlay-vidc, Mobil 0049 151 520 78186, footballunites@gmail.com
Leon Mann, FARE / Kick it Out, Mobil 0049 151 52078171