Ein Sonntag im Zeichen des Rassismus für den italienischen Fußball13 April 2005

Sonntag, 10. April

SS Lazio – AC Livorno:
Auf den Tribünen des Olympiastadions spielte man ein anderes Spiel, und zwar das politisch gefärbte Spiel zwischen den Fußballfans, welche ihre Verschiedenheiten (bekanntlich sind einige Gruppierungen extrem rechts, andere extrem links anzusiedeln) mit Transparenten, Slogans und Liedern betonten, die eine Polemik entzündeten. «Pentito e partigiano con i laziali sei sempre scappato» (Reuevoller Partisan, immer bist du mit den Lazio-Fans weggelaufen) stand auf einer der ersten Fahnen, die auf der Nordkurve erschienen. Als Antwort darauf zogen die etwa 200 Anhänger von AC Livorno eine rote Fahne mit Hammer und Sichel heraus und sangen «Bandiera rossa» (Blutrote Fahne). Die weißblauen Fans hoben zwei weitere Transparente hoch: «Boia chi molla» (Zum Henker, wer zurückweicht) und «Me ne frego» (Ist mir scheißegal). Das Ganze wurde durch den auffälligen Spruch «Rom ist faschistisch» gekrönt.
Viele Flaggen mit Hakenkreuz wurden an der Nordkurve geschwenkt.
Der Verein SS Lazio wurde wegen Verherrlichung des Nazismus bestraft; nur die mildernden Umstände – die vom Verein getroffenen Vorsorgemaßnahmen und die Tatsache, dass die Zuschauer größtenteils von solchen Handlungen Abstand genommen haben – konnten laut Aussage des Sportrichters, der gestern Nachmittag seinen Entschluss über das Spiel gefasst hat, eine Sperrung des Olympiastadions abwenden.
Der italienische Fußballverband FIGC hat bekannt gegeben, zwei Untersuchungsverfahren zur Klärung einiger Vorfälle eröffnet zu haben, in denen Di Canio und Lucarelli verwickelt seien. Was insbesondere den Stürmer von SS Lazio betrifft, wird sein Verhalten am Ende des Spiels überprüft. Di Canio war Richtung Nordkurve gegangen, und hatte, nachdem er das Trikot weggeworfen hatte, seine Anhänger mit hoch gestrecktem Arm gefeiert, was viele an den römischen Gruß nach dem Stadtderby mit AS Rom erinnerte, weshalb der Spieler bereits sanktioniert wurde.
Was den Fußballer von AC Livorno angeht, so wird die Disziplinarkommission des italienischen Fußballverbandes sich mit dem von Lucarelli für die Rückfahrt der Fans aus der Toskana angemieteten Bus befassen. Es gibt nämlich eine Norm, die Beziehungen zwischen Fußballspielern, welche Mitglied eines Verbands sind, und Fans untersagt.

Im Februar hat FARE ein Schreiben an den Vorsitzenden von SS Lazio Lotito und zur Kenntnisnahme auch an den italienischen Fußballverband gerichtet, um die rassistischen Vorfälle während des Spiels SS Lazio gegen Sampdoria Genua im Januar anzuzeigen. Darauf kam nie eine Stellungnahme zurück.

Modena – Verona
Rassistische Lieder wurden von der Verona-Kurve gegen Asamoah, den schwarzen Spieler von Modena, gerichtet.