Todesschuss auf PSG-Fan im Spannungsfeld von Rassismus und Antisemitismus24 November 2006

Schreckliche Szenen in Paris: Beim Versuch, einen Anhänger des israelischen Vereins Hapoel Tel Aviv zu beschützen, wehrte sich ein Polizist in Zivil gegen randalierende Fußballfans mit einem Schuss, der eine Person tötete und eine weitere schwer verletzte.
Der Vorfall in der Nähe des Prinzenpark-Stadions ereignete sich nach dem 4:2-Sieg von Hapoel Tel Aviv gegen Paris Saint-Germain in einem UEFA-Cup-Gruppenspiel. Laut Polizeiangaben wollte der Beamte, der bisher nicht genannt wurde, einen Fan des israelischen Vereins beschützen, auf den ca. 100 PSG-Anhänger Jagd gemacht hatten. Laut Aussagen der Polizei versprühte der Beamte zunächst Tränengas und feuerte dann, nachdem er in eine Ecke gedrängt worden war, zwei Schüsse ab,. Dabei wurden zwei PSG-Fans verletzt. Einer davon, der 24-jährige Julien Quemener, erlag später seinen Verletzungen.
Amir Lubin, der Sprecher von Hapoel Tel Aviv sagte, dass während des gesamten Spieles eine feindselige Stimmung gegenüber Hapoel und seinen Fans geherrscht habe. „Wir haben die Sprechchöre der französischen Zuschauer hören können und sie hatten mit Fußball absolut nichts zu tun. Es war offensichtlich, dass die Anhänger von Paris Saint-Germain wütend über das Ergebnis des Spieles waren. Aber wir dachten nicht daran, dass so etwas geschehen könnte.“
„Die Schwere dieses Vorfalls unterstreicht die absolute Notwendigkeit, Rassismus und Antisemitismus in der Umgebung der PSG-Fans zu bekämpfen,“ erklärte der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe in einem Statement. „Das Bild der Stadt Paris in der Öffentlichkeit und ihre Werte müssen von nun an unter allen Umständen respektiert werden. Wir können nicht die geringste Form der Intoleranz hinnehmen.“

Frankreichs Sportminister Jean-Francois Lamour verurteilte das „Klima der Gewalt und Spannungen“, das bei bestimmten Fußballspielen herrsche.

Der offene Rassismus macht sich immer mehr bemerkbar im Prinzenpark-Stadion des PSG. Schwarze Spieler werden oft beschimpft und mit Affenlauten bedacht. Rechtsextreme Gangs haben in der Vergangenheit während Heimspielen gewalttätige Auseinandersetzungen mit schwarzen und arabischen Mitgliedern rivalisierender multiethnischer Gruppen im Stadion gesucht.

Inzwischen hat der französische FARE-Partner LICRA (Ligue Internationale Contre le Racisme et l'Antisémitisme) die folgende Erklärung zu Protokoll gegeben:

„LICRA verurteilt mit aller Schärfe die vielen gewalttätigen, rassistischen und antisemitischen Vorfälle, die sich beim gestrigen UEFA-Cup-Spiel zwischen PSG und dem israelischen Verein Hapoel Tel Aviv ereignet haben.

LICRA verurteilt außerdem die von Unsicherheit und Terror sowie rassistisch motivierter Gewalt, Antisemitismus und Übergriffe auf Menschen nordafrikanischer Herkunft geprägte Stimmung, die regelmäßig bei PSG-Heimspielen in den Straßen in Stadionnähe herrscht. Seit Beginn der Saison 2006-7 registriert LICRA einen signifikanten Anstieg der aggressiven rassistischen Aktionen bei PSG, die von immer mehr Gewalt begleitet werden.

Laut Zeugenangaben skandierten während und nach dem Spiel gestern Abend mehrere Hundert PSG-Anhänger antisemitische Beleidigungen wie z.B. „Drecksjude!“, „Tod den Juden!“ und „Heil Hitler“ und zeigten dabei mehrfach den Hitler-Gruß. Einem Zeugen zufolge machten nach Spielende mehrere Jugendgangs, die teilweise bewaffnet waren, Jagd auf jüdische Zuschauer.

LICRA ruft die zuständigen Behörden dazu auf, die Vorfälle nach dem Spiel, die zum Tod eines Menschen und der schweren Verletzung eines weiteren Fans geführt haben, schnellstmöglich aufzuklären.

Für LICRA ist diese Tragödie ein weiterer Beweis für das Versagen der im Juni 2004 vom Innenministerium eingeführten Sicherheitsmaßnahmen (CLS) im Prinzenpark-Stadion sowie die Defizite der Politik der Zweideutigkeit, die seit mehr als 20 Jahren von PSG betrieben wird“.